Publikation

Ethereum staken mit MetaMask: Hintergründe und Risiken

Nelli Hindsburg

In der Praxis stoßen Nutzer über die Benutzeroberflächen von Wallet-Anwendungen regelmäßig auf Renditeanzeigen, die es ermöglichen, auf bereits gehaltene Kryptowerte eine jährliche Verzinsung zu erzielen.

In MetaMask[1] wird diese Funktion dabei nicht ausdrücklich als „Staking“ bezeichnet. Der Nutzer gelangt vielmehr über den Bereich „Earn“ bzw. „Verdienen“ zu einer Option, bei der bspw. für Ethereum eine erwartete Rendite angezeigt wird. Stand April 2026 liegt diese Anzeige bei etwa 1,7 % pro Jahr (APR).

Was auf den ersten Blick wie eine klassische Verzinsung wirkt, wirft bei näherer Betrachtung grundlegende Fragen auf: Wie funktioniert das Staking und wie sicher ist es?

Um zu verstehen, woher die Erträge stammen, ist ein kurzer Blick auf die Funktionsweise des Netzwerks erforderlich. Damit ein offenes, dezentrales Netzwerk funktionieren kann, müssen sich seine Teilnehmer auf einen einheitlichen Transaktionsverlauf einigen. Dieser Einigungsprozess wird als Konsens bezeichnet. Zwei der bekanntesten Mechanismen zur Herbeiführung dieses Konsenses sind „Proof of Work“ (PoW) und „Proof of Stake“ (PoS).

Zur Vereinfachung beziehen sich die nachfolgenden Ausführungen auf die Kryptowährung Ethereum. Das Ethereum-Netzwerk basiert seit dem 15. September 2022 auf dem Konsensmechanismus Proof of Stake.

Für die Teilnahme an der Konsensfindung ist beim PoS erforderlich, dass Teilnehmer native Protokoll-Token als Einsatz (Stake) hinterlegen. Im Ethereum-Protokoll sind 32 ETH (Kurs vom 21.04.2026 ca. Im Ethereum-Protokoll sind 32 ETH (nach dem heutigen Kurs vom 21.04.2026 ca. 2.305 USD pro Ethereumentsprechen 32 ETH rund 73.760 USD bzw. etwa 67.000 €.) erforderlich, um einen Validator zu aktivieren. Ein Zufallsmechanismus bestimmt sodann einen aktiven Validator, der Transaktionen in einem Block zusammenfasst und vorschlägt, während die übrigen Validatoren diesen prüfen und durch Bestätigung in die Blockchain aufnehmen. Hierfür erhalten sie eine Vergütung.

Staking bezeichnet also das Bereitstellen von ETH um mittelbar oder unmittelbar am Validierungsprozess des Netzwerks teilzunehmen und dafür Belohnungen (Staking-Rewards) zu erhalten.

Das Staking ist damit nicht nur eine Möglichkeit zur Erzielung von Erträgen, sondern zugleich ein grundlegender Bestandteil der Funktionsweise des Netzwerks.

 

 

Staking in der Praxis: Pool-Staking mit MetaMask

Entscheidet sich ein Nutzer, in der Meta-Mask App auf ‚verdienen‘ zu klicken, werden seine eingezahlten ETH in Pool-Strukturen eingebunden. Diese Aktion wird dabei bei dem Transaktionsverlauf als ‚smart contract-Interaktion‘ ausgewiesen. Smart Contracts sind in Code geschriebene, auf der Blockchain gespeicherte Vertragsbedingungen, die automatisch ausgeführt werden, sobald vordefinierte Voraussetzungen (z.B. Zahlungseingang) eintreten.[2]

Verfolgt man diese Transaktion auf Etherscan, kann man die Adresse von dem entsprechenden SmartContract einsehen und nachverfolgen in welchen Pool der Nutzer seine ETH eingezahlt hat. Dieser Contract bündelt die Einlagen verschiedener Teilnehmer und stellt sie, sobald ausreichende Beträge vorliegen, zur Aktivierung von Validatoren bereit.

Die eigentliche Teilnahme am Netzwerk erfolgt damit mittelbar über diese aggregierte Struktur. Die durch die Validatoren generierten Erträge werden anschließend anteilig auf die Poolteilnehmer verteilt.

MetaMask dient in diesem Zusammenhang lediglich als technische Schnittstelle und ermöglicht es dem Nutzer, Transaktionen zu signieren und mit Smart Contracts zu interagieren. Die tatsächliche Durchführung des Stakings erfolgt über Systeme im Hintergrund.

 

Risiken beim Staking auf MetaMask

So führt MetaMask auf seiner Webseite folgenden Disclaimer im Zusammenhang mit Staking auf: „Die Nutzung von MetaMask Staking ist mit Risiken verbunden, die Sie vor der Inanspruchnahme des Angebots verstehen sollten. Wir sind nicht verpflichtet, die nachstehenden Informationen bereitzustellen, tun dies jedoch, um Sie dazu anzuhalten, sich sowohl über die allgemeinen Risiken des Protokoll-Stakings als auch über die spezifischen Risiken dieses Angebots zu informieren. Sie müssen selbst beurteilen, ob eine Teilnahme am Protokoll-Staking unter Berücksichtigung dieser Risiken für Sie sinnvoll ist, und sich darüber im Klaren sein, dass Sie allein die Verantwortung für etwaige Verluste tragen – unabhängig davon, wie diese entstehen.“[3] Dabei können laut MetaMask folgende technische Risiken auftreten, die zu Verlusten der Staking-Rewards führen können:
  • Die Nutzung von Smart Contracts birgt das Risiko von Fehlern oder Sicherheitslücken im Code.
  • Die Protokolle existieren auf einer Blockchain, die Fehlfunktionen, Sicherheitsrisiken oder instabile Weiterentwicklungen (Forks) aufweisen kann und dadurch den Betrieb der Protokolle beeinträchtigen kann. Es besteht keine Gewissheit, dass die der Blockchain zugrunde liegende Kryptografie nicht eines Tages gebrochen wird.
  • Protokolle sind oft auf Off-Chain-Daten (z. B. über Oracles) angewiesen, um zu funktionieren. Diese Datenübermittlung kann fehlschlagen oder manipuliert werden.[4]
Weiterhin besteht beim Staking ein Gegenparteirisiko, da regelmäßig externe Anbieter oder Protokolle in die Abwicklung eingebunden sind.
  • Die zugrunde liegenden Smart-Contract-Protokolle werden von Dritten, insbesondere dezentralen Organisationen (DAOs) Diese können als Inhaber eines Governance-Tokens des Protokolls über Änderungen an dem Smart Contracts abstimmen.
  • Consensys[5] kann das Staking-Angebot bei MetaMask jederzeit nach eigenem Ermessen aussetzen oder beenden, ohne die Gründe offenzulegen.
Auch beim Staking gelten die allgemeinen Risiken von Kryptowerten, insbesondere Volatilität, technische Komplexität und regulatorische Unsicherheiten.

 

  • Risiko im Zusammenhang mit privaten Schlüsseln: Die Sicherung digitaler Vermögenswerte hängt allein von der Vertraulichkeit der Private Keys ab; gehen diese verloren oder werden sie gestohlen, führt dies regelmäßig zum Verlust der Vermögenswerte.gehen oder gestohlen werden und dadurch ein Verlust entsteht.
  • Preis: Digitale Vermögenswerte sind volatil und können durch Marktbewegungen oder technische Probleme an Wert verlieren. Es gibt keine Garantie für Wertstabilität oder Verkaufsmöglichkeit
  • Rechtliche Unsicherheit: Derzeit sind nach Auffassung von Consensys weder das Staking-Angebot noch die damit verbundenen Drittanbieter-Dienste regulierte Tätigkeiten. Gesetzliche und regulatorische Änderungen können die Nutzung beeinträchtigen.
  • Betrügerische Handlungen: Es besteht ein erhöhtes Risiko von Betrug, etwa durch Phishing oder manipulierte Transaktionen, die auf den Zugriff auf Wallets oder Private Keys abzielen und zu irreversiblen Verlusten führen können.

 

Fazit: Risiken durch Systemkomplexität und Intransparenz beim Staking

Staking beruht auf dem Zusammenspiel mehrerer technischer Systeme und Dienste, die häufig von unterschiedlichen Anbietern bereitgestellt werden.

Auch Consensys weist darauf hin, dass für die Sicherheit und Funktionsfähigkeit dieser Drittanbieter keine Garantie übernommen wird.[6] Die Risiken im Zusammenhang mit Fehlern oder Angriffen auf die Systeme dieser Anbieter werden damit auf den Nutzer verlagert, was im üblichen Verbraucheralltag eher untypischist.

Zugleich ist es selbst für erfahrene und informierte Nutzer nur eingeschränkt möglich, die zugrunde liegenden Prozesse und beteiligten Akteure vollständig nachzuvollziehen. Neben den allgemeinen Risiken digitaler Vermögenswerte tritt damit ein zusätzliches Risiko struktureller Intransparenz hinzu.

 

[1] MetaMask ist eine Browser-Erweiterung und App zur Verwaltung privater Schlüssel. Als Wallet-Software für ETH und andere Token ermöglicht es die Signierung von Transaktionen und die direkte Interaktion mit dezentralen Anwendungen, wobei die Kontrolle über die Kryptowerte beim Nutzer verbleibt.

[2] Wabnitz/Janovsky/Schmitt WirtschaftsStrafR-HdB/Niedernhuber, 6. Aufl. 2025, 16. Kap. Rn. 42, beck-online.

[3] https://consensys.io/staking-risk-disclosures.

[4] Beispielsweise müssen Informationen aus der Ethereum Konsensschicht Off-Chain an die Smart Contracts des Protokolls übermittelt werden, die auf der Ethereum Ausführungsschicht existieren. Es gibt auch Datenquellen, sogenannte „Oracles“, die Off-Chain-Informationen bereitstellen, die On-Chain-Smart-Contracts benötigen, um ordnungsgemäß zu funktionieren.

[5] Consensys entwickelt und betreibt MetaMask. MetaMask ist die Wallet; Consensys stellt die zugehörigen Services bereit.

[6] https://consensys.io/staking-risk-disclosures.